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Fotografie - Birgid Allig
Fotografie - Birgid Allig
Zusammenspiel von Kunst und Natur
Die Pferdefotografie von Birgid Allig

Wo in der Welt kann der Mensch Adel ohne Hochmut, Freundschaft ohne Eifersucht und Schönheit ohne Eitelkeit finden? Hier, wo Anmut mit Muskelkraft einhergeht und Stärke von Sanftmut bezwungen wird, wo ohne Untertänigkeit gedient und ohne Feindschaft gekämpft wird. Nichts Mächtigeres, nichts Beherrschteres, nichts Schnelleres und nichts Geduldigeres ist zu finden. (Ronald Duncan 1954)

Ihren Fokus auf Pferdefotografie legt die Werbefotografin Birgid Allig aufgrund ihres langjährigen Umgangs mit diesen außergewöhnlichen Lebewesen. Sie zu fotografieren erfordert Feingefühl und den richtigen Augenblick. Geduld, viel Zeit und gute Beobachtung dieser sensiblen Kreaturen lassen dem Zufall Spielraum. Mit aufwendiger Lichtdramaturgie im Studio und im Freien fängt Birgid Allig Charakter und Bewegung ein. Dabei liegt ihr Augenmerk neben den Rassemerkmalen v. a. auf der individuellen Erscheinung des Tieres.
Abgelichtete Gemälde
Die Aufnahmen im Studio betonen durch ihren zurückgenommenen, meist schwarzen Hintergrund die Einzigartigkeit des Tieres selbst - seine Fellzeichnung und Farbigkeit, das Licht- und Schattenspiel der Muskeln, seinen Umriss sowie seine Körper- und Kopfform in der Bewegung. Kunstvolle Bildkomposition und präzise, kontrastreiche Lichtsetzung lassen die Fotografien wie Gemälde erscheinen. Sie muten an wie Fürstenportraits, wenn sich aus dem tiefschwarzen Hintergrund das im Licht schimmernde dunkle Fell des Friesenpferdes hervorhebt (Abb. 11), sie gleichen jungen Prinzessinnen im Schlosspark - wie etwa vor rosa gemusterter Stofftapete das zartgraue Fohlentier mit seiner Mutter (Abb. 18). In Umkehrung zu den gemalten Reproduktionen des Fotorealismus´ "malt" Birgid Allig mit dem Licht.
Forschungsreise
Um die Eigenart eines jeden Tieres individuell hervorzuheben wählt die Fotografin unterschiedliche Stilmittel. So entscheidet sie sich für einen natürlichen Hintergrund dann, wenn eine bestimmte Umgebung auf das Naturell des Pferdes hinweist und durch verwandte Eigenschaften seinen Charakter hervorhebt - etwa ein saftiges Kornfeld für das Halbportrait eines Fjordpferdes (Abb. 30). Auch lässt sich die Punktierung auf dem Rücken eines Vollbluts wunderbar mit der Blütenpracht eines Magnolienbaumes assoziieren (Abb. 3). Bei der Wahl eines Hintergrundes in der Natur handelt es sich ebenso wie bei den Studioportraits stets um monochrome, reduzierte Motive, die in ihrer Einfachheit bzw. Auflösung das Pferd nicht in sein alltägliches Genre zurückholen, sondern auch hier nichts von dessen Monumentalität und Anmut vermissen lassen. Durch das der Portraitfotografie eigene Mittel der geringen Tiefenschärfe weist sich das Pferd in seiner expliziten Scharfzeichnung stets als Hauptdarsteller aus. Ein Perserteppich auf der Weite eines Ackerbodens unterstreicht auf humorvolle Weise die Herkunft des Berbers, der - ungeniert darauf posierend - mit seinem lebhaften Temperament wohl bald in die Lüfte abhebt (Abb. 17). Auch Birgid Allig hat sich auf die Reise begeben innerhalb ihres Projektes der Pferdefotografie, experimentierfreudig und neugierig auf immer neue Entdeckungen. Ihre "Wissbegierde ist noch lange nicht gezähmt."

Clea Stracke
project  horses
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